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Der Soundtrack meines Lebens

  • Autorenbild: Stephanie Huber
    Stephanie Huber
  • 12. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Wie Musik uns prägt, Erinnerungen bewahrt und manchmal genau das ausdrückt, wofür uns selbst die Worte fehlen.



Musik war in meinem Leben nie bloß etwas, das im Hintergrund lief. Sie war Rückzugsort, Ventil und Begleitung. Sie hat mich beruhigt, motiviert, durch lange Wege getragen und manche Erinnerungen so fest mit sich verbunden, dass bereits die ersten Töne eines Liedes genügen, um mich augenblicklich in einen anderen Moment zurückzuversetzen.

Mein erstes selbst gekauftes Musikalbum war von Linkin Park. Damals hatte Musik noch einen anderen Stellenwert als heute. Es gab keine endlose Auswahl an Playlists, die jederzeit verfügbar waren, und keinen Algorithmus, der einem laufend neue Künstler vorschlug. Ein Album war etwas, das man bewusst auswählte, immer wieder hörte und irgendwann fast auswendig kannte.

Mein Schulweg dauerte mit dem Zug eineinhalb Stunden – pro Strecke. Jeden Tag verbrachte ich also mehrere Stunden zwischen Bahnhöfen, Abteilen und vorbeiziehenden Landschaften. Dabei hörte ich Linkin Park, so laut es meine Kopfhörer zuließen. Die Musik schirmte mich von meiner Umgebung ab und holte mich gleichzeitig zu mir selbst zurück. Nach außen saß ich einfach nur im Zug. Innerlich hatte ich einen Ort gefunden, an dem ich für eine Weile niemandem etwas erklären musste.


Wenn Lautstärke Ruhe schafft

Es klingt zunächst widersprüchlich, aber laute Musik hat mich schon damals beruhigt. Vielleicht, weil sie alle anderen Gedanken übertönte. Vielleicht auch, weil sie Gefühle ausdrückte, für die ich selbst noch keine Worte hatte.

Nach Linkin Park kam Bad Religion. Danach folgten blink-182, 3 Feet Smaller, Nirvana, Millencolin und 4Lyn. Mit jeder Band wurde meine musikalische Welt ein Stück größer. Gleichzeitig entstand etwas, das mich bis heute begleitet: das Gefühl, dass Musik einen Raum verändern kann.

Sobald ich ein Lokal betrete, nehme ich wahr, was dort gespielt wird. Passt die Musik für mich nicht zur Umgebung oder zur Stimmung, fühle ich mich oft automatisch weniger wohl. Freunde sagten früher manchmal: „Das fällt doch gar nicht auf.“ Aber für mich fällt es auf. Sehr sogar.

Musik ist nicht einfach nur ein Geräusch, das irgendwo zwischen Gesprächen und klirrenden Gläsern läuft. Sie bestimmt, wie sich ein Raum anfühlt. Sie kann Wärme erzeugen, Unruhe verstärken, Erinnerungen wecken oder dafür sorgen, dass man länger bleiben möchte. Manchmal entscheidet sie unbewusst darüber, ob ein Abend leicht wirkt oder ob man sich den ganzen Abend ein wenig fehl am Platz fühlt.


Manche Lieder bewahren mehr, als uns lieb ist

Musik verbindet sich mit Erinnerungen. Mit Menschen, Orten, Gerüchen und bestimmten Versionen von uns selbst. Manche Lieder erinnern an Sommernächte, erste Verliebtheit oder Fahrten mit geöffneten Fenstern. Andere tragen Erlebnisse in sich, zu denen wir lieber nicht zurückkehren würden.

Meinen ersten schweren Autounfall mit Totalschaden hatte ich, während ein Lied von My Chemical Romance lief. Seitdem kann ich dieses Lied nicht mehr hören. Schon die ersten Töne reichen aus, um etwas in mir auszulösen, obwohl viele Jahre vergangen sind.

Das Lied selbst kann nichts dafür. Es war lediglich im falschen Moment da. Trotzdem hat mein Kopf es untrennbar mit diesem Erlebnis verbunden. Aus einem Musikstück wurde ein Auslöser, der mich nicht mehr an die Melodie, sondern an den Unfall erinnert.

Vielleicht zeigt gerade das, wie tief Musik in uns verankert ist. Sie speichert nicht nur schöne Momente. Sie bewahrt auch Augenblicke, die wir längst hinter uns lassen wollten. Ein Lied kann uns innerhalb weniger Sekunden an einen Ort zurückbringen, den wir körperlich seit Jahren nicht mehr betreten haben.


Musik für jede Bewegung

Ganz ohne Musik fühle ich mich bis heute nicht richtig wohl. Sie begleitet mich beim Autofahren, beim Arbeiten und beim Sport. Selbst beim Wakeboarden und Schwimmen möchte ich sie nicht missen. Während andere Menschen Ruhe brauchen, um sich zu konzentrieren, hilft mir Musik dabei, meinen eigenen Rhythmus zu finden.

Beim Arbeiten füllt sie den Raum und hält störende Gedanken auf Abstand. Beim Sport gibt sie Tempo vor. Beim Autofahren wird sie zum Teil der Strecke. Manche Songs machen selbst eine alltägliche Fahrt zu einem kleinen Moment, der nur mir gehört.

Über die Jahre hat sich mein Musikgeschmack erweitert. Die Bands meiner Jugend sind geblieben, aber neue Genres sind dazugekommen. Heute liebe ich auch Drum and Bass, besonders Liquid Drum and Bass. Diese Musik kann gleichzeitig antreiben und beruhigen. Sie hat Energie, ohne sich immer schwer anzufühlen.

Je nach Stimmung höre ich auch ruhigere Musik von Künstlern wie Fink, SOHN oder Bon Iver. Dafür gibt es sogar eine eigene Spotify-Playlist. Allerdings höre ich sie mit einer gewissen Vorsicht. Manche Lieder sind so emotional, dass sie meine Stimmung nicht nur begleiten, sondern vollständig verändern. Dann kippt aus einem ruhigen Moment schnell etwas Nachdenkliches oder Melancholisches.

Es gibt Musik, die uns auffängt. Und es gibt Musik, in die wir uns so tief hineinfallen lassen, dass wir danach erst wieder herausfinden müssen.


Zwischen Festivalgelände und eigenem Bett

Besonders intensiv wird Musik dort, wo man sie nicht nur hört, sondern gemeinsam erlebt. Musikfestivals habe ich immer geliebt – und ich liebe sie noch heute. Ich war auf unzähligen Festivals in Österreich, manche davon mehrmals, habe selbst bei einem gearbeitet und durfte sogar das Tomorrowland erleben.

Ein Festival ist mehr als eine Ansammlung von Konzerten. Für ein paar Tage entsteht eine eigene kleine Welt. Menschen, die sich vorher nie begegnet sind, singen dieselben Zeilen, tanzen im selben Takt und teilen einen Moment, der sich nicht exakt wiederholen lässt. Selbst wenn dieselbe Band ein Jahr später wieder auf derselben Bühne steht, ist es nicht mehr derselbe Abend.

Nur das Campen wird mit zunehmendem Alter zu einer mittelgroßen Herausforderung. Früher gehörten wenig Schlaf, unbequeme Matten, Hitze im Zelt, viel Regen, Schlamm und lange Wege zum Festivalerlebnis einfach dazu. Heute wirkt ein richtiges Bett nach einem langen Festivaltag beinahe wie die luxuriöseste Erfindung der Menschheit.

Die Liebe zur Musik ist geblieben. Nur die Vorstellung davon, wie komfortabel man sie erleben möchte, hat sich verändert.


Die Lieder bleiben

Musik hat mich durch viele Lebensphasen begleitet. Sie war auf langen Schulwegen bei mir, später auf unzähligen Autofahrten, bei der Arbeit, beim Sport und auf Reisen. Sie war Teil schöner Erinnerungen und hat sich ebenso mit Momenten verbunden, die ich lieber vergessen würde.

Mein Musikgeschmack hat sich verändert und erweitert, aber die Bedeutung ist dieselbe geblieben. Musik hilft mir, mich zu regulieren, mich zu konzentrieren und manchmal überhaupt erst zu verstehen, wie ich mich gerade fühle. Sie kann einen fremden Raum vertrauter machen und einen vertrauten Ort plötzlich in eine Erinnerung verwandeln.

Vielleicht besteht der Soundtrack unseres Lebens deshalb nicht nur aus unseren Lieblingsliedern. Er setzt sich aus all den Songs zusammen, die im richtigen oder falschen Moment bei uns waren. Aus Liedern, die uns beruhigt, aufgewühlt, begleitet oder für immer an einen bestimmten Augenblick gebunden haben.


Manche Menschen erinnern sich an Lebensphasen anhand von Jahreszahlen. Ich erinnere mich oft daran, welche Musik damals lief.

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